K A P I T E L 0  EINLEITUNG
Auszug aus: "Das Internet als Quelle medizinischer Information - 
Online-Kommunikation zwischen Glaubwürdigkeit und Gutgläubigkeit?",
IfK, Universität Münster, Reiß 2000
  

 

 

 

 


"Selig sind, die nicht verstehen und doch glauben."

(Frei nach dem EVANGELIUM DES JOHANNES 20,29 und WEISCHENBERG 1990: 49)

 

 

 

0. Einleitung

"Die Medizin war einer der ersten Bereiche [...] die den Datenaustausch als Hilfsmittel zum Nutzen der Patienten, als globales Informationsinstrument und als Medium des Wissensaustausch nützte." (AUERBACH 1997: 9) Mit wachsender Popularität des Internet entdecken zunehmend mehr seiner Nutzer den riesigen Informationspool als Quelle medizinischer Information. Vom Anbruch eines neuen Zeitalters der Information, charakterisiert durch unbegrenzten Informationszugang und ein unbeschränktes, umfassendes Informationsangebot von und für jedermann wird geschwärmt und in der Tat wartet im ‚weißen Netz' auf den an seiner Gesundheit interessierten Laien annähernd das gesamte Spektrum medizinischer Fragestellungen: Beginnend mit Informationen und Berichten über Krankheiten, Hinweisen zu Therapien, aktuellen Forschungsergebnissen, Studien über Risiken und Erfolgsaussichten von Behandlungsmethoden, über thematische Linksammlungen mit Anschriften nützlicher Organisationen und Selbsthilfegruppen bis hin zu Adressen von Ärzten und Spezialisten.

Ähnlich jedoch der Debatte um Segen oder Fluch des Internet in anderen Bereichen, sind auch die Ansichten über Chancen und Risiken im thematischen Feld virtuelle Gesundheit und Medizin kontrovers. Verbunden mit dem Gedanken an die Kommerzialisierung des Netzes wird befürchtet, dass die Informationsqualität umgekehrt proportional zur Quantität des Informationsangebotes sinke. Dies würde das Entstehen einer Zuverlässigkeitskluft bedingen, weshalb der nach Ratschlägen suchende medizinische Laie vor einem enormen Problem steht: Welcher der gefundenen Informationen kann er trauen?

Ohne Expertenwissen gestaltet sich eine sichere Evaluation der Informationsangebote als nahezu unmöglich. Da Menschen jedoch in vielen Situationen ihres alltäglichen Lebens auf der Basis eines Nicht-Experten komplexe Sachverhalte oder unbekannte Personen beurteilen müssen, greifen sie auf eine oft bewährte Strategie zurück: das Konzept Glaubwürdigkeit.

Auf welcher Grundlage aber halten Menschen etwas für glaubwürdig? Die wissenschaftliche Forschung hat für Inhalte, Personen und Medien ganze Kataloge von Dimensionen dieses theoretischen Konstrukts identifiziert. Die spezifischen Bedingungen des Internet werfen für die Frage nach der Glaubwürdigkeit von Informationen unbekannter Quellen allerdings zahlreiche neue Probleme auf. Aus diesem Grund untersucht die vorliegende Arbeit anhand der skizzierten Problematik, welcher möglichen Beurteilungsstrategien sich WWW-Nutzer zur Klärung der Glaubwürdigkeitsfrage bedienen.

Mit medizinischen Informationen versorgte sich der Laie bislang entweder aus medialen oder aus interpersonalen (Experten / persönliches Umfeld) Quellen. Obwohl das Internet diese Informationsquellen in Form vielfältiger Kommunikationsmöglichkeiten integriert, wird aus zwei Gründen hauptsächlich der Informationsabruf aus dem World Wide Web (WWW) Gegenstand der vorliegenden Untersuchung sein:

Erstens steht die Glaubwürdigkeit der risikokommunikativ-sensiblen Informationsangebote auf Online-Gesundheitsseiten im Fokus der Betrachtung, diese sind im WWW verfügbar.

Zweitens zeichnen sich die Informationsquellen im WWW durch eine heterogene Anbieterstruktur aus, deren private, wissenschaftliche oder kommerzielle Motive die Glaubwürdigkeitsfrage zuspitzen: Klassische Medien zeigen ebenso wie medizinische Experten und die Vertreter der Pharmaindustrie Webpräsenz, auch der Zugriff auf Nachschlagewerke und Datenbanken wird über das WWW realisiert. In diesem Rahmen ist ein Anschluss an die kommunikationswissenschaftliche Glaubwürdigkeitsforschung möglich.

 

Aufbau der Studie

Das Bedürfnis nach medizinischen Auskünften manifestiert sich im Web als Laienrecherche und erfolgt damit zunächst losgelöst von traditionell sozialisierten Orientierungsinstanzen.

  • Aus diesem Grund werfen die folgenden Ausführungen die aus den Besonderheiten des WWW resultierenden Schwierigkeiten der Informationsbewertung für medizinische Laien auf (Kap. 1).
  • Risikokommunikative und wissenschaftsjournalistische Überlegungen runden die Problematik netzbasierter medizinischer Information ab (Kap. 3).
  • Auf dieser Grundlage wird aus einer rezipientenorientierten Perspektive zunächst analysiert, welche Rolle das Konstrukt Glaubwürdigkeit im Rezeptionsprozess medizinischer Online-Kommunikationsangebote besitzt (Kap. 4).
  • Schließlich wird, basierend auf sozialpsychologischen Beurteilungsstrategien, der Versuch unternommen, die Zuschreibung von Glaubwürdigkeit an diese Informationsangebote über heuristische Evaluationsstrategien zu erklären (Kap. 5).

 

Ziel der Arbeit ist es,

  1. anhand des Fallbeispiels medizinischer Online-Informationen die Rolle des Konstrukts Glaubwürdigkeit als Selektions- und Evaluationskriterium im Rezeptionsprozess theoretisch zu konkretisieren;
  2. verfolgt die teilweise explorativ ausgerichtete empirische Untersuchung das Ziel, Bezugsobjekte des Zuschreibungsprozesses näher zu fassen und heuristische oder rationale Beurteilungsstrategien der Nutzer zu identifizieren.

 

 

MA Ergebnisse Übersicht: Kurzpräsentation interessanter Befunde
MA Inhalt

Inhaltsverzeichnis

MA Abbildungen

Abbildungsverzeichnis

MA Schlussdiskussion

Letztes Kapitel: 10.4 Diskussion der Ergebnisse

MA Literatur

Literaturangaben

MA

Magisterarbeit (2,3 MB, .pdf-Format)

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