Ü B E R S I C H T  ERGEBNISSE DER ONLINE-STUDIE
EMPIRISCHE STUDIE ZUR MAGISTERARBEIT: "Das Internet als Quelle medizinischer Information - 
Online-Kommunikation zwischen Glaubwürdigkeit und Gutgläubigkeit?",
IfK, Universität Münster, Reiß 2000
  

 

    Mit der Frage

    "Wie vertrauenswürdig sind
    Online-Informationen aus dem Bereich
    Gesundheit & Medizin?"


  • beschäftigte sich im Sommer 2000 die im Rahmen meiner Magisterarbeit entstandene Studie am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster.

  • Insgesamt interessierten sich 107 User für die wissenschaftliche Befragung und zeigten teilweise großes Engagement beim Ausfüllen des Fragebogens:

    IHNEN ALLEN EIN HERZLICHES DANKESCHÖN!!

 


[Problematik medizinischer Online-Informationen] [Ziel der Studie] [Methodik: Studiensteckbrief]
[Ergebnisse der empirischen Untersuchung] [Kapitel aus der Examens-Studie]

 

Thematischer KURZÜBERBLICK

und - auszugsweise - einige BEFUNDE der Studie

 

Problematik medizinischer Online-Information: up

Im WWW findet sich eine derartige Informationsfülle diverser, hauptsächlich unbekannter Anbieter rund um das Thema Gesundheit und Medizin, dass dem tatsächlichen Nutzen solcher Informationen für den möglicherweise betroffenen User ein nicht unerhebliches Gefahrenpotenzial gegenüber steht:
  • Wie kann der recherchierende Laie die Seriosität einer Online-Informationsquelle beurteilen?

  • Achtet der User kritisch auf die Möglichkeit der gezielten Informationspolitik kommerzieller Anbieter? Genießen Ärzte im Netz einen "Vertrauensbonus"? Wie steht es um die Gefahr der Falschinformation durch unseriöse "Quacksalber"?

  • Welche Rolle spielt, im Kommunikationsprozess des Laien, das Kriterium "Glaubwürdigkeit" der Quelle bzw. der Information als Ersatz für "Fachkompetenz"?

 

Ziel der Studie: up
  1. Theoretische Erörterung der Problematik "Publikation und Rezeption von Risikoinformation im World Wide Web"


  2. Empirische Untersuchung der Laienbewertung medizinischer Online-Information und -Beratung


  3. Kommunikationswissenschaftlich-theoretische Konkretisierung des Glaubwürdigkeitskonstrukts


  4. Empirische Identifikation konkreter Anwendungsstrategien des Glaubwürdigkeitskonstrukts am Beispiel medizinischer Online-Laienrecherche


  5. => Schlussfolgerung: Abwägung der "Segen-oder-Fluch?"-Diskussion bezüglich sensibler Online-Inhalte

 

Methodik: Studien-Steckbrief up

Erhebungszeitraum:

15. Mai - 15. Juli 2000
Inter-Design der Studie:

rezipientenorientierte, netzbasierte, computergestützte Datenerhebung, durchgeführt als Online-Nutzer-Befragung über eine Webseite, Rückläufe per eMail

 

Bekanntmachung der Studie:
  • Anmeldung in (zielgruppenspezifisch-)relevanten Suchmaschinen und -katalogen
  • Verlinkung der Fragebogen-Webseite mit dem Online-Angebot von Medizin- und Gesundheitsseitenbetreibern
  • Posting in diversen themenspezifischen Mailinglisten und Newsgroups
  • Aushänge an ausgewählten Lokalitäten im Stadtgebiet Münster
Intra-Design der Studie: (teil-)standardisierter Fragebogen mit 20 geschlossenen, 6 halbgeschlossenen und 3 offenen Fragen
Stichprobe: zufällige Auswahl da Selbstselektivität, n=100
Zielpopulation: alle am Themenkomplex Gesundheit / Medizin laienhaft interessierten deutschsprachigen WWW-Nutzer
Operationalisierung:

Explorativ angelegt war die Erfassung möglicher Bezugsobjekte bei der Glaubwürdigkeitsbeurteilung von medizinischen WWW-Informationsangeboten in Hinblick auf Konstruktionsmuster für Glaubwürdigkeitszuschreibungen

Komplementär dazu wurden theoriegestützt Hypothesen abgeleitet, die heuristische oder rationale Strategien dieser Beurteilungen prüfen sollten

Forschungsziele:

Die aus den erhobenen Daten gewonnenen Erkenntnisse sollten

a) die Präzisierung der Bedeutung des Konstrukts Glaubwürdigkeit im Kommunikationsprozess und

b) Rückschlüsse über die Besonderheiten der Glaubwürdigkeit von Online-Kommunikation zulassen

 

Ergebnisse der empirischen Untersuchung: up

Die befragten User nehmen mehrheitlich Informationen und Ratschlägen gegenüber, die sie nicht sicher beurteilen können, eine eher distanzierte Haltung ein.



40 % der Befragten trauen sich zu, kompliziertere medizinische Sachverhalte zu verstehen. (Abb. 32: Beurteilung von Fachtermini)


Unsicherheit aufgrund eines durch Fachtermini "unverständlichen" Informationsangebots wird über den Rat eines "vertrauenswürdigen Dritten" kompensiert. (Abb. 32: Beurteilung von Fachtermini)


Doch auch ein scheinbar glaubwürdiges Webangebot wird überprüft. (Abb. 19: Notwendigkeit der Überprüfung einer scheinbar glaubwürdigen Webseite)


Gesundheitsangebote im WWW werden hauptsächlich zur "Informationsbeschaffung" im Allgemeinen und "Medikamenteninformation" im Besonderen genutzt.
(Abb. 15: Nutzungsgrund des WWW als Quelle medizinischer Information
/ Abb. 43: Nutzung des WWW als Quelle medizinischer Information)


Dabei achtet rund die Hälfte der gesundheitsinteressierten Surfer "immer" darauf, wer die Information zur Verfügung stellt. 50 % der Befragten haben angegeben, dies nur dann zu tun, wenn die Information für sie persönlich thematische "Relevanz" besitzt.


Erst im Zusammenspiel von Informationsinhalt, -urheber und -präsentation ergibt sich für den medizinischen Laien die Glaubwürdigkeit einer Information. Einzeln betrachtet erhalten der Inhalt und vor allem die Quelle eine große Bedeutung, während der Präsentation nur eine untergeordnete Rolle zukommt. (Abb. 17: Wichtigkeit von Inhalt, Quelle und Präsentation im Vergleich)


Als "unerlässliche" Quellenangaben auf einer Webseite, an denen sich der User orientieren kann, dienen drei im real life überprüfbare Kriterien: 1. die Möglichkeit zum Feedback mit dem Informationsurheber, 2. sein Beruf und 3. seine Adresse. (Abb. 28: Alle "unerlässlichen" Angaben im Vergleich)


Interessanterweise sieht ein Drittel der befragten User keine Notwendigkeit für eine "eindeutige Offenlegung" der privaten, wissenschaftlichen, kommerziellen oder sonstigen Motivation einer Informationsquelle. (Abb. 29: Glaubwürdigkeit und Motivation der Quelle)
Dennoch geben 25 % an, trotz fehlenden Fachwissens eine medizinische Online-Information immer dann "inhaltlich" auf ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen, wenn "Unsicherheit" über die Identität der Informationsquelle bestehen bleibt. (Abb. 30: Zeitpunkt der inhaltlichen Prüfung)


Einen "glaubwürdigen Informationsinhalt" zeichnen mehrere notwendige Kriterien aus: Beweiskraft der Information (75,8 %), Diskussion der Vor- und Nachteile (72,7 %), klar verständlicher Inhalt (72,2 %), schlüssige Argumentation (65,7 %), Trennung von Bewertung und Faktenwiedergabe (60,6 %) sowie kein Widerspruch (bzw. Bestätigung)durch andere Informationen (39,4 %). (Abb. 31: Notwendige Kriterien für einen glaubwürdigen Informationsinhalt)


Im WWW hat ein als unglaubwürdig wahrgenommenes Informationsangebot zur Folge, dass der Kontakt zu der entsprechenden Webseite abgebrochen wird. Ein Image-Transfer einzelner Seiten auf das gesamte WWW erfolgt nicht: Die befragten User differenzieren zwischen einzelnen Anbietern und treffen keine Globalaussagen wie "Das WWW ist unglaubwürdig".


Insgesamt lässt sich feststellen, dass die befragten gesundheitsinteressierten User die möglichen Risiken von Online-Informationen durchaus reflektieren:


Als Nachteile virtueller medizinischer Beratung und Information wurden die Qualität / Zuverlässigkeit der Information, die Problematik der Laienselbsttherapie, die Anonymität des Netzes und damit verbunden die Quellenunsicherheit sowie die Datensicherheit genannt.


Online-Informationen aus dem WWW zeichnen sich, nach Meinung der Befragten, vorteilhaft durch Aktualität, Schnelligkeit, komfortabler Zugänglichkeit und Vielfalt aus.


 

 


Titel der Magisterarbeit, IfK Münster, Reiß (2000): up

"Das Internet als Quelle medizinischer Information" -
Online-Kommunikation zwischen Glaubwürdigkeit und Gutgläubigkeit?

 

MA Inhalt

Inhaltsverzeichnis

MA Abbildungen

Abbildungsverzeichnis

MA Einleitung

Erstes Kapitel: 0 Einleitung

MA Schlussdiskussion

Letztes Kapitel: 10.4 Diskussion der Ergebnisse

MA Literatur

Literaturangaben

MA

Magisterarbeit (2,3 MB, .pdf-Format)

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